Hinter den Kulissen: Wie wir die Worterkennung fördern

Hinter den Kulissen: Wie wir die Worterkennung fördern

Unser neues Priming-Lesetraining

Unser Priming-Lesetraining wurde von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert.

In den vergangenen Monaten haben wir an einem Projekt gearbeitet, das sich einer zentralen Frage widmet:
Wie können Kinder beim Übergang vom Lesenlernen zur sicheren Worterkennung gezielt unterstützt werden und wie lassen sich Lehrkräfte dabei entlasten?

Daraus entsteht derzeit ein digitales Priming-Lesetraining für Kinder der 2. bis 8. Klasse. Ziel ist es, die Automatisierung der Worterkennung zu fördern, damit Kinder Texte flüssiger lesen und sich besser auf Inhalte konzentrieren können.

Gemeinsam mit Dr. Beate Gierschner (Campus am Ziegelsee), Expertin für Sprachförderung, Lese-Rechtschreib-Störungen und semantisches Priming, entwickeln wir dafür eine fachlich fundierte erste Version des Trainings. In diesem Artikel zeigen wir, wie es aufgebaut ist und welche Überlegungen dahinterstehen.

 

Warum ein Priming-Lesetraining?

Mit Namagi – Deutsch meistern begleiten wir Kinder seit vielen Jahren beim Lesen- und Schreibenlernen, sowohl im Unterricht als auch in Förderprozessen. Viele Kinder brauchen dabei etwas Zeit, bis sie Wörter sicher und flüssig erkennen. Das ist ein ganz normaler Schritt auf dem Weg zum Lesen.

Solange Kinder Wörter noch langsam erlesen, bleibt wenig Aufmerksamkeit für den Inhalt von Texten und Geschichten. Genau hier setzt das Priming-Lesetraining an. Es bereitet Kinder spielerisch auf das Lesen vor und unterstützt sie dabei, Wörter schneller wiederzuerkennen – sowohl im Unterricht als auch in der gezielten Förderung.

Die Leitfrage des Projekts war deshalb, wie sich die wissenschaftlich gut belegte Priming-Methode so umsetzen lässt, dass sie im Unterricht und in Förderprozessen einfach einsetzbar ist und Kinder beim Aufbau der Worterkennung wirksam unterstützt.

 

Was ist semantisches Priming und warum hilft es beim Lesen?

Viele Kinder können lesen, lesen aber noch langsam, weil Wörter noch nicht automatisch erkannt werden.

Beim semantischen Priming sehen die Kinder zunächst kurz ein Bild, das thematisch zu dem folgenden Wort passt. Dieses Bild bereitet das Gehirn auf das Lesen vor, indem es passende Bedeutungszusammenhänge aktiviert.

Dabei muss das Bild nicht genau das Wort zeigen. Es reicht, wenn es inhaltlich dazu passt. Ein Beispiel ist das Wort „Apfel“: Es kann schneller gelesen werden, wenn zuvor eine Schüssel mit Obst gezeigt wurde, auch wenn kein Apfel konkret zu sehen ist. Diese kurze visuelle Vorbereitung kann die Wortverarbeitung erleichtern, insbesondere bei Kindern, deren Lesefluss noch nicht sicher ist oder denen das Lesen viel Anstrengung abverlangt.

Für wen eignet sich das Training?

Das Training richtet sich an Kinder

  • von der 2. bis zur 8. Klasse,
  • deren Leseflüssigkeit noch nicht gefestigt ist,
  • die Wörter noch nicht automatisiert erkennen,
  • oder deren Lesen durch Lese-Rechtschreib-Störungen, Aufmerksamkeits- oder Verarbeitungsschwierigkeiten beeinträchtigt ist.

 

So ist das Training aufgebaut

Das Training führt die Kinder auf eine Lernreise durch verschiedene deutsche Städte. Jede Stadt steht für eine kurze Lerneinheit mit klar strukturierten Übungen.

Eine kleine Drachenfigur begleitet die Kinder durch das Training. Sie gibt motivierendes Feedback in dafür vorgesehenen Pausen. Diese Pausen helfen den Kindern, kurz innezuhalten und anschließend wieder fokussiert weiterzuarbeiten.

Kleine Story-Elemente vor und nach den Trainingseinheiten sorgen für zusätzliche Motivation. Die Übungen selbst sind bewusst einfach gestaltet und konzentrieren sich auf die Wortverarbeitung.

Beispiel aus dem Training

Zunächst wird kurz ein Bild eingeblendet, das thematisch zu einem Wort passt. Anschließend erscheint ein Wort wie „Brücke“ auf dem Bildschirm. Das Kind wählt das passende Wort aus oder gibt es ein. In regelmäßigen Abständen erhält es motivierendes Feedback.

 

Welche Übungsformate gibt es?

Das Training umfasst folgende Übungsformate:

  • Multiple-Choice-Aufgaben mit geschriebenen Wörtern
  • Multiple-Choice-Aufgaben mit Audio
  • Richtig-Falsch-Entscheidungen
  • Eingabe über eine reduzierte Tastatur

 

Alle Formate sind so gestaltet, dass sie sich flexibel im Unterricht, in Förderstunden und in der Lerntherapie einsetzen lassen.

Nächster Schritt: Pilotphase

In der Pilotphase mit Schulen und therapeutischen Fachkräften möchten wir herausfinden:

  • Wie fügt sich das Training in den Unterrichtsalltag ein?
  • Welche Übungsformate funktionieren besonders gut?
  • Welche Anpassungen unterstützen unterschiedliche Lerngruppen?

Alle Erfahrungen fließen direkt in die Weiterentwicklung des Konzepts ein.

 

 

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